Misereor e.V.
Hungertuchwallfahrt
Seit nunmehr 41 Jahren verbindet die Misereor-Hungertuchwallfahrt Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Gemeinden und Lebenswelten. Was 1986 als Initiative engagierter Christinnen und Christen begann, ist heute eine bundesweite spirituelle Weggemeinschaft, die sich jedes Jahr neu aufmacht, um gelebte Solidarität sichtbar zu machen.
Die Wallfahrt führt symbolisch das Misereor-Hungertuch von einem Bistum ins nächste – als Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen weltweit, deren Lebenswirklichkeit durch Misereor in den Fokus gerückt wird. 2026 setzt sich die Pilgergruppe vom Bistum Essen aus in Bewegung und macht sich auf den Weg ins Bistum Limburg. Über rund 100 Kilometer entsteht eine einzigartige Verbindung aus Pilgerpraxis, gesellschaftlichem Engagement und spiritueller Vertiefung.
Am Sonntag, 15. Februar 2026, versammeln sich die Teilnehmenden im Karlsheim Kirchähr. Dort beginnt das, was viele später als „intensive Gemeinschaftserfahrung“ beschreiben: Menschen, die sich teils noch nie begegnet sind, wachsen schon am ersten Abend zu einer Pilgergemeinschaft zusammen.
Der folgende Einführungstag dient nicht nur organisatorischen Absprachen – er ist vor allem eine geistliche Vorbereitung. Die Gruppe taucht ein in die Inhalte der Fastenaktion, beschäftigt sich mit dem Hungertuch, lernt seine Bildsprache kennen und stimmt sich auf das Anliegen der kommenden Woche ein. Zugleich werden Rollen verteilt, Erwartungen geklärt und erste Impulse für den Weg gegeben.
Mit einem feierlichen Aussendungsgottesdienst beginnt am Dienstagmorgen der eigentliche Pilgerweg. Das Misereor-Hungertuch, gestaltet von Künstlerin Konstanze Trommer, trägt den Titel „Gemeinsam träumen – Liebe sei Tat“ – eine Einladung, gesellschaftliche Herausforderungen nicht nur wahrzunehmen, sondern ihnen mit konkretem Handeln und gelebter Nächstenliebe zu begegnen.
Während die Gruppe täglich etwa 25 Kilometer zurücklegt, wechseln sich Zeiten des Gesprächs, des gemeinsamen Singens, des Schweigens und der Meditation ab. Die Landschaft, das Gehen und die Begegnungen lassen Raum für persönliche Reflexion und gemeinschaftliche Erfahrungen. Die Route führt dabei nicht nur über Wege und Straßen, sondern auch mitten hinein in die Lebenswirklichkeit der Menschen, die entlang der Strecke leben.
Die persönliche Begegnung ist das Herzstück der Hungertuchwallfahrt. Jeden Nachmittag oder Abend öffnet sich ein neuer Raum: Gemeinden gestalten Andachten oder Gottesdienste, Schulen laden zu Gesprächen ein, Kindergärten bereiten kleine Beiträge vor, oder Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen treten in Austausch mit den Wallfahrenden.
Hier entstehen Momente, die lange nachwirken: Kinder, die staunend das Hungertuch betrachten. Jugendliche, die sich kritisch mit globaler Gerechtigkeit auseinandersetzen. Menschen, die aus ihrem Glauben heraus Mut schöpfen. Und immer wieder: herzliche Gastfreundschaft und tief berührende Dankbarkeit. Viele Gemeinden berichten davon, wie inspirierend und stärkend der Besuch der Wallfahrt für ihre Gemeinschaft war.
Wenn auch Deine Kita, Schule, Einrichtung oder Pfarrei Interesse an einem Austausch mit den Wallfahrenden und weiteren Informationen zur Misereor Fastenaktion hat, dann melde Dich gerne bei uns.
Die Misereor-Fastenaktion 2026 stellt die Bedeutung von beruflicher Bildung in den Mittelpunkt – ein Thema, das weltweit über Zukunft, Chancengleichheit und Würde entscheidet. Anhand von Projektbeispielen aus Douala, einer der größten Städte Kameruns, führt Misereor eindrücklich vor Augen, wie Bildung neue Perspektiven schaffen kann.
Die Pilgernden tragen diese Geschichten mit sich: die Herausforderungen junger Menschen in einem urbanen Umfeld, die Kraft von Ausbildung und Empowerment, und die Hoffnung, die in jeder Form von Unterstützung liegt. So wird jeder Schritt der Wallfahrt zu einem stillen Gebet – für Gerechtigkeit, Bildung und Zukunft.
Am Sonntag, 22. Februar 2026, erreicht die Gruppe schließlich Hofheim. Der feierliche Eröffnungsgottesdienst der Misereor-Fastenaktion bildet den Schlusspunkt der Wallfahrt – und zugleich ihren Höhepunkt. Die Wallfahrenden bringen das Hungertuch symbolisch in die Kirche und feiern gemeinsam mit der Gemeinde und vielen Gästen.
Dieser Moment markiert für viele Teilnehmende einen inneren Abschluss: Dankbarkeit für die Erfahrungen der Woche, für die Menschen, denen sie begegnet sind, für geistliche Impulse und für die Kraft, die aus dem gemeinsamen Unterwegssein gewachsen ist.