Kategorien &
Plattformen

Blasiussteig

vom ewigen Eis ins Tal der Strauße
Blasiussteig
Blasiussteig
© Bistum Limburg/ MF

Wir starten im Herzen von Frickhofen am Bahnhof und finden an der gegenüberliegenden Hinweistafel einen ersten Überblick über die Strecke, die vor uns liegt.

Vor uns liegt die Bahnhofstraße, die uns nach rechts aus dem Ort herausführt und biegen liegen Hand auf einen Feldweg, der entlang der Bahnstrecke Limburg – Au/Sieg führt. Aufgepasst, wir müssen nur wenige Meter gehen. Links an einem Baum hängt ein einfacher Blechbriefkasten mit einem weißem B auf orangefarbenem Grund.

In seinem Innern finden wir eine praktisch formatierte und ebenso hilfreiche Wanderkarte für die Hosentasche. Vielleicht aber auch nur als Andenken an diesen kleinen, aber feinen Wandersteig. Denn wir versprechen, dass wir bei der Ausschilderung des Weges ganze Arbeit geleistet haben. Keine Kreuzung, keine knifflige Gabelung, an der nicht das weiße „B“ auf orangem Grund aufleuchtet und uns den Weg weist.

Nach wenigen hundert Metern führt uns der Feldweg von der Bahnstrecke weg nach links und leicht aufsteigend hin zur Landstraße 3364 (Funkturm). Diese überqueren wir vorsichtig und setzen unseren Weg immer noch leicht ansteigend fort Richtung Waldrand. Hier lädt auch schon eine Ruhebank mit einer prächtigen Aussicht zum kurzen Verweilen ein.

Weiter geht es zur „Dornburg“. Dieses Haus wird seit Ende der 1960er Jahre von einer Wiesbadener Kirchengemeinde als evangelisches Jugendhaus genutzt. Davor war das Haus ein nicht nur bei den Frickhöfern beliebtes Gasthaus. Die Ursprünge jedoch reichen noch weiter zurück und tiefer hinein – ins hiesige Basaltgestein.

Hier befand sich ausgangs des 19. Jahrhunderts nämlich eine Brauerei, deren Gründer sich die Vorzüge des  ,Ewigen Eises“ zunutze machte. Dieser nach wie vor voll funktionstüchtige Kühlraum der einstigen Braumeister befindet sich nur ein paar hundert Meter weiter oben gelegenen. Wir finden ihn auf unserem weiteren Weg, der uns links neben der „Dornburg“ weiter in den Wald führt.

An heißen Sommertagen spürt man beim Vorbeikommen schon den kalten Hauch, der aus den Stollen nach draußen weht. Denn dort, unter Tonnen von Basalt ist es kalt, eisig kalt. Und das sommers wie winters. Es ist so gesehen schon ein kleines „Naturwunder“, das Arbeiter 1839 beim Basaltabbau hier oben entdeckten. Aber eines das physikalischen Gesetzen folgt.

Die Geröllhalde, so erklärt es eine Info-Tafel, wirkt an dieser Stelle wärmeisolierend, was zur Folge hat, dass selbst im Hochsommer hier unten frostige Temperaturen herrschen und der Boden bis in sechs Metern Tiefe gefroren ist.

Vom „Ewigen Eis“ gehen wir schließlich zunächst wieder ein paar Schritte zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind und dann nach links weiter den Berg hinauf. Dort steuern wir den Ort einer großen Tragödie an. Um Liebe und Leid ging es, als eine Frau namens Hildegard sich von einem Felsen hinabgestürzt haben soll. Mehrere Versionen gibt es von dieser Sage Die schönste davon findet sich auf der Hinweistafel an eben jenem Hildegardisfelsen, auf dem eine Aussichtsplattform installiert wurde. Und dieser bietet wirklich einen sagenhaften Ausblick.

Mit den nächsten Schritten auf schmalem Waldpfad gehen wir den Berg hinauf und  reisen durch die Zeit, bleiben aber auf dem Boden der Tatsachen. Wir überschreiten die Grenze zum Reich der Kelten. Die haben hier oben vor weit über 2000 Jahren gelebt und dem Plateau bis heute sichtbar ihren Stempel aufgedrückt. Doch allzu viel ist vom einstigen Wall, der 3.400 Meter lang und bis zu 13 Meter hoch gewesen sein soll, nichts mehr zu sehen. Sie schützte eine kletische Siedlungsfläche von 37 Hektar, die heute zum großen Teil einem Steinruch zum Opfer gefallen ist. Und so sind es denn auch heute nicht mehr keltische Mauern, die rechter Hand unseren Weg flankieren, sondern Maschendrahtzäune, die verhindern sollen, dass wir über die Abbruchkante in die alte Basalt-Grube stürzen.

Fürstensitz, Fluchtburg, Oppidum – wie bei so vielen anderen keltischen Höhen-Siedlungen ist man sich auch hier nicht ganz sicher, zu welchem Zweck die „Dornburg“ errichtet wurde. Womöglich waren die Übergänge auch fließend. Nicht über Nacht, aber doch Zug um Zug, löste sich auch hier die Kultur des sagenumwobenen Krieger-Volkes zwischen den beiden großen Mühlsteinen – den Römern und den Germanen – auf. Das Keltische ging aber nicht ganz verloren. So sagt man der Dornburg auch heute noch magische Kräfte nach.

Den Namen „Dornburg“ bekam der Basaltkegel aber erst vor einigen hundert Jahren verpasst, glaubten die Menschen damals doch, dass sie es hier mit den Resten einer mittelalterlichen Siedlung zu tun hätten. Und komplett falsch lagen sie damit auch nicht, wie ein großes Loch im Boden beweist. Hier stand wohl im Mittelalter eine Kapelle, was darauf schließen lässt, dass hier lange nach den Kelten noch Menschen siedelten. Deren Spuren sind aber im Strudel der Zeit verloren gegangen.

Damit uns das nicht auch passiert, verlassen wir die „Dornburg“ auf der gegenüberliegenden Seite der Anlage, folgen dem weißen B in Richtung der L 3278, überqueren auf Höhe des Wanderparkplatzes „Wilsenroth“ die Landesstraße und setzen unsere Tour auf dem „Totenweg“ weiter. Totenweg“ deshalb, weil die Menschen früher ihre Verstorbenen hier entlang zur Blasiuskapelle gebracht haben.

Auch wenn wir auf unserem Weg keine Toten dabei haben, scheint man auf diesem Teil des Weges dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Viel schöner könnte der letzte Weg eigentlich auch nicht sein. Links der Allee geht der Blick weit über Wiesen und Wälder, rechts stehen die Bäume des Waldes zum Abschied Spalier. So geht es voran und einer Weggabelung entgegen, an der wir Wanderer die Wahl haben. Rechts halten wir uns, wenn wir nicht ganz so gut zu Fuß sind. Allerdings gilt es hier, einen kernigen, aber recht kurzen Aufstieg zu meistern. Links geht es lang, wenn wir einen schönen, aber schmalen Waldpfad nach oben steigen wollen.

So wie sprichwörtlich alle Wege nach Rom führen, führen in diesem Fall beide Varianten zum hiesigen Hort der Christenheit. Genau das nämlich scheint die Blasiuskapelle für viele Menschen in der Region zu sein. Denn nicht nur an großen Festtagen kommen die Gläubigen in Prozessionen von überall hierher. Das kleine Gotteshaus versprüht als ein Ort des Gebetes eine große Anziehungskraft.

Wir verabschieden uns derweil vom „heiligen Berg“, wenden uns – die Kapelle im Rücken – nach links, wandern ein Stück bergab und bergauf, über einen hölzernen Steg hinweg und dann auf schönem Weg durch den Wald, dem nächsten geschichtsträchtigen Ort entgegen. Es geht zur „Glockenwiese“.

Dreiste Diebe, so heißt es, hatten 1849 die Glocken der Blasiuskapelle gestohlen, kamen aber mit ihrem gewichtigen Diebesgut nicht allzu weit. Von den Frickhöfern verfolgt, suchten die Täter ihr Heil in der Flucht, was ihnen auch gelang. Die Glocken jedoch ließen sie auf dieser Wiese im Schatten des 475 Meter hohen Watzhahns zurück. Sehr zur Freude Ihrer Häscher, die damals den ganzen Wald umstellt hatten, um „ihre“ Glocken zurückzubekommen.

Von der Glockenwiese kommend, schlägt der Weg nun zunächst noch einen kleinen Haken, der uns mit einem Mal zu Grenzgängern macht. In der Tat führt unser Weg in diesem Bereich genau auf der Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. In früheren Zeiten teilten sich gleich drei Landesherren die Zuständigkeit, nämlich Kurtrier, Nassau-Oranien und Westerburg-Leiningen. Just davon zeugt noch heute der „Dreiherrenstein“, an dem sich, so wird erzählt, früher die Landesherrn trafen, wenn es wieder einmal galt, Streitigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Streitigkeiten haben wir auf unserem Weg nicht auszutragen. Vielmehr werden wir nun Zeuge eines wichtigen Kapitels der regionalen Wirtschaftsgeschichte. Der Basaltabbau, auf den sich jahrelang ein wirtschaftlicher Erfolg gründete, hat die Landschaft sehr verändert. Der Blasiussteig gibt davon einen guten Eindruck. Führt der Weg doch geradewegs an die Abbruchkante des Dorndorfer Steinbruchs vorbei. Hier findet sich wieder eine große Infotafel. Die neu hergerichtete Sitzgruppe und der fantastische Ausblick laden zur Rast ein.

Nach etwa 200 Metern verlassen wir den breiten Waldweg und es geht nach links einen Hang hinunter, der möglicherweise nach längeren Regenphasen etwas matschig sein könnte. Allerdings nur ein kurzes Stück. Spätestens an der nächsten Wegkreuzung ist alles wieder in bester Ordnung. Und wenn dann doch mal etwas entlang des Weges nicht in Ordnung sein sollte, dann freuen wir uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.

Hier ist – wenn man den Weg links einschlägt - eine günstige Möglichkeit die Route abzukürzen. Diese „schwarze“ Abkürzung ist auch eigens so in der Wanderkarte eingezeichnet, die sich aus dem hier ebenfalls angebrachten Blasiussteig-Briefkasten ziehen lässt.

Der Weg nach rechts leitet uns über die volle Runde und lädt zum kurzen Verweilen an der Dorndorfer Kieselquelle ein. 

Der weitere Weg führt uns nun allmählich aus dem Wald heraus zum schmucken Dörfchen Dorndorf. Von dort aus ziehen wir über Felder mit herrlichem Fernblick wieder zurück in den Wald, passieren dort die Schlaudermühle bis wir uns dem dritten Dornburger Ortsteil unserer Tour nähern: Thalheim.

Ja, wir sind hier wirklich noch im Westerwald und schon auf dem Rückweg nach Frickhofen. Obwohl man die dünnbeinigen Gefiederträger, die uns über hohe Zäune hinweg argwöhnisch beäugen, hierzulande doch eher selten sieht.

Seit 2012 bereits züchtet Heinz Sabel am Ortsrand von Thalheim afrikanische Strauße. Und das nicht nur, um den Wanderern auf dem Blasiussteig gegen Ende der großen Runde noch einen optischen Überraschungseffekt am Wegesrand zu servieren.

Nein, die kerzengeraden und doch irgendwie schrägen Vögel dienen auch als Fleisch- und Eierlieferanten – mit enormen Dimensionen. Ein Straußenei ist immerhin so ergiebig wie 20 bis 25 Hühnereier. Und wer am Ende der Tour noch eine Stärkung benötigt, der kann diese im neu errichteten Straußencafè auf der Straußenfarm dingen. Allerdings ist das Café nicht immer geöffnet. Gerne öffnet es aber seine Pforten für größere Gruppen oder Schulklassen auf Vorbestellung. Für diese werden auch Führungen und Rundfahrten angeboten.

Wer sich aber direkt auf den Weg nach Frickhofen macht, hat es nun in etwa 30 Minuten geschafft, wieder am Ausgangspunkt zu sein. Jetzt noch ein leckeres Eis im Eiscafé San Marino, um den lädierten Kalorienhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen.

Ein schöner Wandertag geht zu Ende. Vielleicht bis zu einem Wiedersehen? Jedes Jahr Ende September laden die Verkehrs- und Verschönerungsvereine Dorndorf, Frickhofen und Thalheim zu einem gemeinsamen Wandertag rund um den Blasiussteig ein.

Interaktive Karte

Externer Inhalt

Dieser Inhalt von

google.com

wird aus Datenschutzgründen erst nach expliziter Zustimmung angezeigt.

Cookie Einstellungen

Statistik-Cookies dienen der Anaylse, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden.

Anbieter:

Google Ireland Limited

Datenschutz

Bistum Limburg

Datenschutz