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Bonifatiusroute

Pilgern zwischen den Welten - Unterwegs auf der Bonifatius-Route zwischen Hochheim und Kriftel
Bonifatiusroute
Bonifatiusroute
© Bistum Limburg / MF

Hochheim. An dieser Stelle also soll der Überlieferung nach der Trauerzug mit dem Leichnam des hl. Bonifatius ans andere Mainufer übergesetzt haben. Es ist ein imposanter Anblick, der sich Wanderern und Pilgern in Hochheim am Main bietet: Majestätisch thront die Pfarrkirche St. Peter und Paul im satten Grün der Weinberge. Die 1730 bis 1732 erbaute Barockkirche mit ihren farbenprächtigen Fresken ragt in den strahlend blauen Himmel. 754 n. Chr., vor mehr als 1250 Jahren, führte die letzte Reise des englischen Mönches vom holländischen Utrecht nach Mainz und von dort schließlich in sein Lieblingskloster nach Fulda. Diesem Weg des feierlichen Trauerzuges versucht die 2004 ausgewiesene Bonifatius-Route zu folgen. Von Hochheim bis nach Kriftel sind auch wir auf den Spuren des Heiligen unterwegs.

Ein Leben für die Mission

Durch das Küsterhaus, einem früheren Torhaus in der mittelalterlichen Stadtmauer Hochheims, führt die Bonifatius-Route direkt in die Weinberge. Das Zeichen des Pilgerweges, Bischofsstab und Kreuz des Fuldaer Stifts auf rot-weißem Untergrund, ist treuer Begleiter. Vögel zwitschern, Grillen im Gras zirpen, Schmetterlinge fliegen durch die scheinbar endlosen Reihen von Weinstöcken. Langsamen Schrittes geht es durch den idyllischen Rheingau. Immer kleiner wird die Silhouette der Barockkirche. Irgendwann verschwindet sie schließlich ganz hinter den sanften Hügeln.

Dass dem Heiligen eine eigene Pilgerroute gewidmet wurde, ist kein Zufall. Bonifatius wird seit dem 16. Jahrhundert als Apostel der Deutschen verehrt. Er missioniert ab 716 n. Chr. in Friesland, gründet Klöster in Hessen und errichtet in Thüringen und Bayern zahlreiche Bistümer. Er widmet sein ganzes Leben der Verkündigung der Frohen Botschaft. Auch im Rhein-Main-Gebiet hinterlässt er seine Spuren. 746 wird er zum Bischof von Mainz ernannt.

Gegensätze erleben

Unterwegs zu sein auf der Bonifatius-Route heißt, Gegensätze zu erleben. Wie ein Pilger zwischen den Welten fühlt man sich auf dem Weg durch das wirtschaftlich pulsierende Rhein-Main-Gebiet. Stille und Hektik, Relikte eines jahrtausendealten Glaubens und moderner Lebensstil, vom Mensch geformte Landschaft und unberührte Natur: All das kann ein Wanderer auf der kurzen Etappe entdecken. Im Minutentakt rauschen Flugzeuge vorbei, die am nahen Frankfurter Flughafen landen. Die Bonifatius-Route aber führt uns zunächst weg vom Trubel der Metropole. Nach kurzem Marsch entlang des Wickerbachs geht es Treppenstufen hinauf zu einer kleinen Kapelle, die 1715 der heiligen Anna geweiht wurde. Drei Wanderer rasten im Schatten des Gotteshauses und genießen die Stille. "Heilige Anna - bitte für uns" steht auf einem bestickten Altartuch. Zeugen christlichen Glaubens können Pilger in den Dörfern entlang der Bonifatius-Route immer wieder entdecken. Bildnisse von Heiligen, Wegkreuze oder Kreuzwegstationen laden zum besinnlichen Innehalten ein.

Ein fantastischer Ausblick belohnt Pilger

Wir wandern durch die Flörsheimer Schweiz bis zur Flörsheimer Warte, einem 1996 rekonstruierten mittelalterlichen Landwehrturm. Spaziergänger und einige Wanderer sitzen an den Tischen und stärken sich. Die Flörsheimer Warte ist ein beliebtes Ausflugsziel. Auch weil Pilger und Wanderer hier für die Wegstrapazen reich belohnt werden: Es bietet sich ein fantastischer Blick über den Taunus und den Odenwald bis hin zur Frankfurter Skyline mit ihren Bankentürmen. "Herzlich Willkommen liebe Bonifatius-Pilger!" Ein Aushang in der katholischen Pfarrkirche St. Katharina in Wicker grüßt vorbeikommende Pilger. In dem dunklen, aber angenehm kühlen Kirchenraum können Pilger durchatmen. Die Wehrkirchenanlage mit eigenem Mauerring hat ihre Wurzeln im 13. Jahrhundert. Der wuchtige Turm der Anlage wurde um 1500 errichtet. Durch Gässchen und vorbei an Gutsausschänken verlassen wir das kleine Weindorf. Kunstskulpturen aus Stein säumen unseren Weg bis nach Weilbach. Gräser wiegen sanft im Wind. Von der Anhöhe bietet sich zur Rechten ein schöner Blick auf das Umland von Frankfurt. Flugzeuge heben vom Flughafen ab. Langsam und für uns lautlos steigen sie in die Lüfte, ändern gemächlich ihre Richtung und verschwinden schließlich am Horizont.

Eine Kapelle muss dem Verkehr weichen

Wir lassen Weilbach mit seiner schwefelhaltigen Mineralquelle Faulborn hinter uns, durchqueren das vom Kiesabbau zerklüftete Areal im Nordosten der Kommune. Es wird einsam auf der Bonifatius-Route. Nur noch wenige Menschen sind hier unterwegs. Getreidefelder und Obstanbau wechseln sich auf dem Weg nach Kriftel ab. Äpfel, Zwetschgen, Sauer- und Süßkirschen hängen an den Bäumen. Johannisbeersträucher säumen den Weg. Nicht umsonst wird Kriftel auch als "Obstgarten des Vordertaunus" bezeichnet. Wir überqueren die A66. Nochmals rauscht der Verkehr der modernen Welt unter uns vorbei. Dann erreichen wir unseren Zielort Kriftel. 17 Kilometer stecken in den Beinen. In dem kleinen Ort - etwa in der Pfarrkirche St. Vitus oder am Lindenplatz - lässt sich vieles entdecken, das an den Heiligen erinnert. Auf dem kleinen Platz, wo im Mittelalter Recht gesprochen wurde, steht ein zwölf Jahrhunderte altes verwittertes Steinkreuz. Es erinnert daran, dass der Trauerzug hier Rast eingelegt haben soll. Am Ortsrand von Kriftel liegt sanft am Hang eine kleine 1958 errichtete Kapelle. Sie trägt den Namen des Heiligen. Im Innenraum sind Szenen aus seinem Leben illustriert. Bänke laden zum Verweilen ein. Etwas entfernt davon - versteckt zwischen Bahnstrecke und Schnellstraße - entdecken wir noch einen kleinen Gedenkstein. Zwei Jahrhunderte stand hier einmal eine Kapelle, dem Hl. Bonifatius geweiht, bis sie 1959 den Verkehrswegen der Moderne weichen musste. Nicht alles überdauert die Jahrhunderte. Vieles ist im Wandel. Besonders im Rhein-Main-Gebiet. (CLM)

Anfahrt

 

Mit dem Zug:

Die S1, die Frankfurt am Main mit Wiesbaden verbindet, bringt Sie im 30-Minuten-Takt direkt nach Hochheim. Die Rheingaulinie 10 von Lorchhausen Bf nach Frankfurt am Main Hbf hält ebenfalls in Hochheim. Fahrplaninformationen unter www.rheingaulinie.de oder www.rmv.de

Mit dem Auto:

Aus Richtung Frankfurt über die A3 und B43 über Flörsheim am Main oder über die A66 Richtung Wiesbaden und die A671 Richtung Darmstadt/Hochheim. Pilger aus dem nördlichen Teil unseres Bistums kommen am besten über die A66 und die A671. Parkmöglichkeiten direkt am Bahnhof.

Rückfahrt mit Öffentlichen Verkehrsmittel:

Die Rückfahrt von Kriftel nach Hochheim ist von Kriftel Bahnhof (S2) über Frankfurt Farbwerke (Umsteigen auf die S1) nach Hochheim möglich. Kosten für das Ticket: 4,55 Euro.

Details zum Weg

Länge des Teilabschnitts:

Etwa 17 Kilometer zwischen Hochheim am Main und Kriftel. Der Teilabschnitt startet in Hochheim am Main an der Kirche St. Peter und Paul. Der Weg vom Bahnhof zur Kirche ist bereits Teil des Weges und markiert. Gehzeit: ca. 4 bis 5 Stunden. Die Etappe kann auch verkürzt werden. Zwischen Weilbach und Kriftel finden sich Ausschilderungen zu nahen S-Bahn-Stationen.

Bonifatius-Route:

Die Bonifatius-Route hat eine Länge von 172 Kilometern und führt von Mainz durch das Rhein-Main-Gebiet über die Wetterau nach Fulda. In unserem Bistum verläuft die Route von Hochheim am Main bis nach Frankfurt-Bonames. Ausführliche Informationen bietet der Trägerverein der Route unter www.bonifatius-route.de. Der Verein hat auch einen kompakten Führer zur Bonifatius-Route herausgegeben. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund hat eine Karte herausgegeben, die auch bestellt werden kann.

Beschilderung:

Durchgängige Beschilderung mit dem Symbol der Bonifatius-Route (Bischofsstab und Kreuz auf rot-weißen Grund). An manchen Stellen sind die Markierungen nicht immer leicht zu finden. An markanten und wichtigen Stellen gibt es auch Informationstafeln.

Zustand:

Von Hochheim am Main bis Weilbach größtenteils asphaltiert, kleinere Abschnitte geschottert. Von Weilbach nach Kriftel größtenteils geschottert, am Ende asphaltiert. Der Weg ist bedingt tauglich für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer. Radfahrer haben keinerlei Probleme mit dem Teilabschnitt der Bonifatius-Route. Einige kleine Steigungen müssen genommen werden. Im Naturschutzgebiet Wickerbachaue eine längere Treppe. Ein Umfahren der Treppe ist möglich.

Essen und Trinken

 

Gasthof Wiesenmühle:

In unmittelbarer Nähe und schön in der Wickerbachaue gelegen bietet der Gasthof eine gutbürgerliche Küche an. Saisonale Gerichte je nach Jahreszeit. Geöffnet täglich außer Montag und Dienstag von 11 bis 23 Uhr. Informationen unter: www.gasthof-wiesenmuehle.de

Flörsheimer Warte:

Etwa 5 bis 10 Gehminuten von Wicker entfernt liegt inmitten der Weinberge das Ausflugslokal Flörsheimer Warte. Auf der Speisekarte stehen hier auch traditionellere Gerichte wie Handkäs, Grüne Soße und Spundekäs. Im Sommer Montag bis Freitag ab 12 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.floersheimer-warte.de

In Wicker:

Zahlreiche Gutsausschänken. Die Öffnungszeiten variieren sehr stark. Es lohnt sich deshalb, sich vorher gezielt zu informieren. Einen Überblick gibt zum Beispiel der Straußwirtschaftsführer des Winzervereins von Wicker oder die Homepage der Stadt Flörsheim www.floersheim-main.de

Weilbach und Kriftel:

Zahlreiche Wirtschaften, Restaurants und Gasthöfe. Weitere Informationen unter www.kriftel.de oder www.floersheim-main.de.

Tipps

In Kriftel führt die Bonifatius-Route direkt an einem kleinen Freizeit-Areal mit Minigolfanlage und Schwimmbad vorbei. Das Bad hat täglich bis 20 Uhr geöffnet und kann daher auch an einem Nachmittag besucht werden. Eine Tageskarte kostet 4,50 Euro.

Unterhalb der Flörsheimer Warte entlang des Weges nach Flörsheim wurde ein kleines Labyrinth aus Steinen angelegt.

In unmittelbarer Nähe zur St. Anna-Kapelle steht der Flörsheimer Eisenbaum. Der 18-Meter hohe Aussichtsturm ist zugleich Kunstwerk

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